Was ist eigentlich … „agile“?

Wenn ich im Bekanntenkreis nach meinem Beruf gefragt werde, antworte ich inzwischen, dass ich mich mit Business Agility oder Agilität im Geschäftskontext beschäftige. Das sorgt immer noch häufig für verwirrte Blicke, gefolgt von der Nachfrage, was denn diese Agilität überhaupt sei. Spannenderweise fällt die Antwort darauf auch von Agilist zu Agilist unterschiedlich aus.

Grundsätzlich verwende ich den Begriff Agilität im Zusammenhang mit Wissensarbeit. Also grob gesagt alles, wo man primär den Kopf einsetzen muss, und nicht Maschinen oder Muskelkraft. Das ist eine nicht unwichtige Unterscheidung, denn in der verarbeitenden Industrie greifen häufig andere Konzepte deutlich besser, zumindest in den Bereichen, in denen es um die materielle Produktion geht.

Aber nehmen wir mal einen Bereich, mit dem jede vertraut sein sollte: Die Hausärztin. Wir wenden uns mit unseren Beschwerden an sie, in der Hoffnung, dass sie uns von diesen Beschwerden befreien kann. Dafür werden wir dann untersucht, und im Anschluss wird eine Therapie festgelegt, zum Beispiel durch Medikamentengabe.

Jetzt stellen wir bei der Einnahme fest, dass das Medikament bei uns schwere Nebenwirkungen verursacht. Anstatt das Medikament weiter zu nehmen, wenden wir uns natürlich an die Ärztin, die dann erneut untersucht und uns zum Beispiel eine Alternative verschreibt.

Das war’s schon. Wir sind also alle mit dem Grundprinzip der Agilität vertraut: Kleine Schritte, beobachten, Anpassungen vornehmen, nächster Schritt. Dafür braucht es kein Framework, keine Methode, kein Manifest. Sondern nur den Willen, kleine Dinge auszuprobieren und aufgrund der Auswirkungen unser Handeln anzupassen.

Während uns flexibles Handeln im täglichen Leben vor wenig Probleme stellt, wird es im beruflichen Alltag häufig durch vermeintlich Sicherheit gebendes Vorgehen erschlagen. Da soll bis ins Detail geplant werden, oft Monate oder sogar Jahre im Voraus. Und jede noch so kleine Änderung setzt einen mehr oder weniger umfangreichen Prozess in Gange, um darauf zu reagieren. Das kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern auch viele Nerven, und führt zu der hohen Zahl an Projekten, die scheitern.

Übersetzt auf unser kleines medizinisches Experiment: Würden wir das Medikament wie beschrieben zu Ende nehmen, trotz der Nebenwirkungen, würden wir zwar möglicherweise das vorausgeplante Projektziel erreichen und die ursprüngliche Beschwerde abstellen. Aber wir bezahlen damit mit unserer Gesundheit an anderer Stelle. Im Extremfall sogar mit dem Leben.

Und damit: Vorhang auf für agiles Arbeiten. Kurze Zeiträume, häufiges Feedback, häufige Anpassungen, keine zu detaillierte Vorausplanung über lange Zeiträume. Und: Idealerweise schon ganz am Anfang etwas umsetzen, was wir direkt mit den Kunden testen können, um so schnelles Nutzerfeedback zu bekommen, welches wir dann wiederum in unsere weitere Arbeit einfließen lassen können. Ein sogenanntes MVP.

Was ein MVP ist, verrate ich dann in einem anderen Blogbeitrag. Solltet ihr noch Fragen zur Agilität haben, hinterlasst gerne einen Kommentar, ich nehme das dann als Feedback auf und arbeite es in einen der nächsten Beiträge ein. Ganz agil.

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