Was ist eigentlich … ein MVP?

MVP? So wie in Most Valuable Player?

Naja. Nicht ganz. Auch wertvoll, aber weniger auf dem Platz, als mehr für das Business. Der Reihe nach.

Nachdem wir jetzt alle wissen, was eigentlich „agile“ ist, stehen wir vor der Frage, wie wir möglichst schnell etwas zum Austesten mit den Kundinnen haben. Wir wollen ja schließlich möglichst zeitnah Feedback bekommen, um zu schauen, ob wir in die richtige Richtung laufen. Aber was ist überhaupt die richtige Richtung?

Um das herauszufinden, stellen wir eine Hypothese auf. Wenn wir einen Onlinehandel für Kartoffeldrucke aufbauen wollen, dann ist unsere erste Hypothese zum Beispiel: Menschen würden Kartoffeldrucke online kaufen. Ziemlich geradeheraus. Und im nächsten Schritt müssen wir uns überlegen, wie wir diese Hypothese überprüfen.

Es wäre jetzt Quark und überhaupt nicht agil, in mehreren Monaten einen Onlineshop für Kartoffeldrucke zu programmieren, ein Warenhaus aufzubauen, unsere Lieferkette in Stellung zu bringen, das Marketing hochzufahren, die Leute für die Erstellung der Kartoffeldrucke einzustellen und dann alles in einem halben Jahr online zu stellen. Um dann festzustellen, dass niemand Kartoffeldrucke online kaufen will.

Was machen wir also? Wir bauen eine einfache Seite, mit einem Bild von einem Kartoffeldruck, einer kleinen Beschreibung, einem Adressfeld und einem Knopf, auf dem „Bestellen“ steht. Wenn eine Kundin das ausfüllt und dann auf den Knopf drückt, erreicht uns eine Nachricht per E-Mail mit der Adresse. Wir nehmen dann die Adresse, stellen einen Kartoffeldruck her, tüten den ein und schicken ihn mit einer Rechnung an die Kundin.

Wenn sie dann noch bezahlt, ist unsere Hypothese bestätigt, und wir können die nächste aufstellen. Zum Beispiel: Menschen würden verschiedenfarbige Kartoffeldrucke online kaufen.

Und so implementieren wir dann Schritt für Schritt unseren Shop. Der Vorteil ist gleichzeitig, dass wir vom ersten Tag an Geld damit verdienen. Anfangs vielleicht wenig, aber das kommt schon mit der Zeit.

Was ist also unser MVP? MVP steht für „Minimum Viable Product“, also wörtlich: Das leichtgewichtigste brauchbare Produkt. Produkt ist dabei zum Beispiel unser Shop für Kartoffeldrucke. Brauchbar sollte sich auch selbst erklären; schließlich können die potentiellen Kundinnen Kartoffeldrucke bestellen, erhalten und bezahlen. Das dritte Wort ist das, an dem sich letztlich die meisten Debatten entzünden: Was heißt Minimum?

Hier lohnt es sich, einen Blick auf die Intention zu werfen: Es sollte ausreichen, um unsere Hypothese zu überprüfen. Im Gegensatz zu einem Prototypen sollte es auch zuverlässig genug sein, damit wir technische Fehler ausschließen können. Wir möchten schließlich nicht, dass uns eine Kundin durch die Lappen geht, weil der Button nicht funktioniert und dann fälschlicherweise daraus schließen, dass niemand Kartoffeldrucke kaufen möchte.

Und wir brauchen ein Impressum, eine Datenschutzerklärung, eine Einwilligung in den Gebrauch von Cookies und eine Einwilligung in die Bestellbedingungen. Wir sind schließlich in Deutschland. Es wäre auch schön, wenn die Seite nicht so schlimm aussieht, dass die Kundin uns nicht vertraut, mit ihrer Adresse verantwortungsvoll umzugehen. Ein Prototyp bräuchte das alles nicht.

Zusammenfassend: Ein MVP ist ein leichtgewichtiges Produkt, mit dem wir unsere Hypothese überprüfen können, dass es jemand nutzen würde. Das Ziel ist, schnell Erkenntnisse zu gewinnen, auf denen aufbauend wir unser Produkt weiterentwickeln können.

Fragen? Gerne in die Kommentare. Im nächsten Artikel geht es dann um agile Frameworks und Methoden. Da gibt es einige, und ab und zu auch einiges an Verwirrung den Weg des Lernens, konkret: Shu Ha Ri.

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